Totale Sonnenfinsternis in Spanien, 12. August 2026
Pfad der Totalität, Uhrzeiten nach Stadt, warum die Sonne fast am Horizont steht und welche Brille Sie brauchen, um Ihre Augen zu schützen.
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Am 12. August 2026 erlebt Spanien eine totale Sonnenfinsternis. Für das spanische Festland ist es die erste seit dem 30. August 1905 - also nach 121 Jahren. Ein bis zu 290 km breiter Pfad der Totalität durchquert das Land von Nordwest nach Südost, von A Coruña bis Palma de Mallorca, und streift dabei mehr als zwanzig Provinzhauptstädte. Im Folgenden: wo der Pfad genau verläuft, wann man hinschauen sollte, warum diese Finsternis so unbequem ist, wie man den Beobachtungsort wählt und was Sie über Ihre Augen wissen müssen.
Ein Detail, das diese Finsternis von fast allen anderen unterscheidet: Sie ereignet sich bei Sonnenuntergang. Die Sonne wird praktisch am Horizont kleben, und vom gewählten Standort hängt nicht ab, «wie schön es aussieht», sondern ob man überhaupt etwas sieht. Dazu gibt es unten einen eigenen Abschnitt.
Wo der Pfad der Totalität verläuft
Die Totalität ist nur innerhalb eines schmalen Streifens sichtbar. Laut dem spanischen Nationalinstitut für Geografie (IGN) verläuft er von West nach Ost und führt durch die Provinzhauptstädte A Coruña, Lugo, Oviedo, Santander, Bilbao, Vitoria-Gasteiz, Logroño, León, Zamora, Palencia, Valladolid, Burgos, Soria, Segovia, Guadalajara, Cuenca, Saragossa, Teruel, Lleida, Tarragona, Castellón de la Plana, Valencia und Palma de Mallorca.
Die Zentrallinie (wo die Totalität am längsten dauert) verläuft in der Nähe von Avilés, Oviedo, Aranda de Duero, Soria, Peñíscola und Palma de Mallorca. Die maximale Dauer in Spanien liegt bei rund 1 Minute 48 Sekunden, in der Gegend von Oviedo und León. Nahe den Rändern des Streifens sind es nur einige Dutzend Sekunden: in A Coruña etwa 76 Sekunden, in Burgos etwa 104.
Die südliche Landeshälfte liegt außerhalb des Streifens. Madrid und Barcelona bleiben knapp draußen: Der Streifen verläuft genau zwischen beiden Städten. Der Unterschied zwischen 99,9 % und 100 % ist nicht kosmetisch, sondern grundsätzlich: Ohne Totalität gibt es weder Korona noch Dunkelheit noch die Möglichkeit, die Brille abzusetzen.
Das globale Maximum dieser Finsternis liegt übrigens nicht in Spanien, sondern in der Region Island: Dort dauert die Totalität 2 Minuten 18 Sekunden und tritt rund 45 Minuten früher ein, gegen 19:46 Uhr spanischer Zeit.
Uhrzeiten nach Stadt: wann Sie hinschauen sollten
Alles findet abends statt, etwa zwischen 19:30 und 21:20 Uhr (Ortszeit, CEST). Die partiellen Phasen beginnen früher und dauern rund anderthalb Stunden; das Maximum liegt zwischen 20:27 und 20:38 Uhr. Je weiter östlich die Stadt liegt, desto später kommt das Maximum und desto tiefer steht die Sonne.
| Stadt | Beginn der partiellen Phase | Maximum | Was zu sehen ist |
|---|---|---|---|
| A Coruña | 19:31 | 20:28 | Totalität ≈76 s, Sonne ≈12° |
| Oviedo | ≈19:31 | ≈20:28 | Totalität ≈1 Min. 48 s (Landesmaximum) |
| Bilbao | 19:31 | 20:27 | Totalität |
| Burgos | 19:33 | 20:29 | Totalität ≈104 s, Sonne ≈8° |
| Zaragoza | 19:34 | 20:29 | Totalität |
| Valencia | 19:38 | 20:32 | Totalität, Sonne ≈4° |
| Palma de Mallorca | 19:38 | 20:32 | Totalität, Sonne ≈2° |
| Madrid | 19:37 | 20:32 | Partiell ≈99,9 %, keine Totalität |
| Barcelona | 19:34 | 20:29 | Partiell ≈99,8 %, keine Totalität |
| Sevilla | 19:41 | 20:37 | Partiell ≈95 % |
| Málaga | 19:43 | 20:38 | Partiell ≈95 % |
Zeitangabe in Sommerzeit (CEST). Auf den Kanaren findet alles eine Stunde früher nach Ortszeit statt, und dort ist die Finsternis nur partiell. Für exakte Sekunden an einer bestimmten Adresse lohnt sich der interaktive Dienst des IGN: Zwischen den Rändern einer Stadt kann der Unterschied mehrere Dutzend Sekunden Totalität ausmachen.
Die größte Herausforderung: die Sonne steht fast am Horizont
Dies ist eine Sonnenuntergangs-Finsternis, und das prägt ihren gesamten Charakter. Die Totalität erreicht Spanien nur wenige Dutzend Minuten vor Sonnenuntergang. Die Sonnenhöhe sinkt, während der Streifen nach Osten wandert: in Galicien sind es etwa 11-12°, in Burgos etwa 8°, in Valencia nur noch 4° und auf den Balearen gerade einmal 2°.
Um zu verstehen, wie wenig das ist: eine Faust mit ausgestrecktem Arm deckt etwa 10 Grad des Himmels ab. Auf Mallorca findet die Finsternis also auf einer Höhe von ungefähr einem Viertel Faustbreite über dem Horizont statt. Ein Hügel, eine Häuserreihe, eine Baumreihe oder sogar dichter Dunst über dem Meer können das gesamte Ereignis verdecken.
Daraus ergeben sich zwei praktische Konsequenzen. Erstens: Man muss nach Nordwesten blicken, nicht nach Westen und schon gar nicht nach Süden. Zweitens: Mittelmeerstrände mit Blick nach Osten oder Südosten sind für diese Finsternis ungeeignet, egal wie schön der Sonnenuntergang dort sonst ist.
Wie man den Beobachtungsort wählt
Die Wahl des Ortes ist ein Kompromiss zwischen Sonnenhöhe und Wolkenwahrscheinlichkeit. Weiter westlich steht die Sonne höher, aber es ist oft bewölkter wegen des Atlantiks. Weiter östlich ist der Himmel im August klarer, aber die Sonne steht tiefer. Nach historischen AEMET-Daten sieht die Lage so aus:
| Zone | Sonnenhöhe | Wahrsch. für klaren Himmel | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Galicien, Asturien und Kantabrische Küste | ≈10-12° | 30-50 % | Sonne am höchsten, aber häufige Bewölkung vom Atlantik |
| Inneres Kastilien-León | ≈7-9° | 50-70 % | guter Kompromiss; abendliche Quellwolken möglich |
| Ebro-Tal (Logroño, Saragossa) | ≈5-7° | 50-70 % | flaches Gelände, freier Horizont leicht zu finden |
| Castellón und Valencia | ≈4° | hoch | klarster Himmel, aber Blick muss ins Landesinnere nach Nordwesten gehen |
| Balearen | ≈2° | hoch | größtes Risiko, die Sonne unter dem Horizont oder im Dunst zu verlieren |
Offizielle Quellen
Checkliste für die Standortwahl
- Prüfen Sie die Nordwestrichtung mit dem Kompass im Smartphone: Der Sektor von 290°-305° darf keine Berge, Gebäude oder hohen Bäume enthalten. Das ist der wichtigste Punkt der ganzen Liste.
- Machen Sie ein bis zwei Tage vorher eine Generalprobe: Gehen Sie zur gleichen Zeit, 20:20-20:40 Uhr, an den gewählten Ort und prüfen Sie, ob die Sonne von dort sichtbar ist.
- Suchen Sie Höhe und freie Sicht: ein Hügel, ein Aussichtspunkt, ein Kamm, ein breites Tal oder eine nach Nordwesten offene Küste. Ein flacher Uferpark in der Stadt verliert dagegen fast immer.
- Je näher an der Zentrallinie, desto länger dauert die Totalität. Schon wenige Dutzend Kilometer zum Rand der Zone hin können die halbe Dauer kosten.
- Behalten Sie die Bewölkungsvorhersage im Blick. Der spanische Wetterdienst AEMET veröffentlicht ab dem 7. August einen eigenen Bewölkungsbericht; ein Ausweichort 100-150 km entfernt und die Entscheidung am Vortag sind sinnvoll.
- Fahren Sie sehr früh los. Mitte August, Mittwochabend, ein schmaler Streifen quer durchs ganze Land: Stau und volle Parkplätze sind das wahrscheinlichste Szenario.
- Was mitzunehmen ist: zertifizierte Brille für jede Person, Wasser, eine Jacke (die Temperatur fällt merklich), eine Taschenlampe, ein aufgeladenes Handy. Ein Stuhl und eine Decke machen das Warten deutlich angenehmer.
Ist der Blick ohne Brille gefährlich?
Ja, und das ist keine übertriebene Vorsicht. Der direkte Blick in die Sonne ohne Filter kann eine Solar-Retinopathie verursachen: eine Verbrennung der Netzhaut. Das Tückische daran: Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, sodass man im Moment der Schädigung nichts spürt. Sehverschlechterung, ein Fleck in der Mitte des Sichtfelds oder verzerrte Linien zeigen sich erst Stunden später - und heilen nicht immer wieder aus.
Was geeignet ist
Nur Sonnenfinsternisbrillen mit der klaren Kennzeichnung ISO 12312-2 (vollständig: EN ISO 12312-2:2015) und dem CE-Zeichen. Solche Filter reduzieren das Sonnenlicht etwa hunderttausendfach. Auf der Verpackung oder am Bügel muss ausdrücklich stehen, dass es sich um einen Filter für die direkte Sonnenbeobachtung handelt.
- Prüfen Sie den Filter vor der Nutzung gegen das Licht: Kratzer, Löcher, Abnutzung oder Falten machen die Brille unbrauchbar.
- Setzen Sie die Brille bevor Sie nach oben schauen auf und nehmen Sie sie erst ab, nachdem Sie den Blick abgewendet haben.
- Schauen Sie in kurzen Intervallen von wenigen Sekunden, mit Pausen.
- Kinder brauchen eigene Brillen und einen Erwachsenen in der Nähe: Ein Jugendlicher schaut eher «nur eine Sekunde» hin, als zuzugeben, die Brille abgesetzt zu haben.
- Die Nachfrage vor einer Finsternis bringt Fälschungen hervor. Ohne ISO 12312-2, ohne CE und ohne Hinweis auf Sonnenbeobachtung darf eine Brille nicht verwendet werden.
Was absolut nicht geeignet ist
Normale oder sehr dunkle Sonnenbrillen, mehrere übereinander getragene Sonnenbrillen, Rußglas, Röntgenbilder, Fotofilm, CDs, getöntes Glas, Polarisationsfilter, Seifenfilm, ein Eimer Wasser. Keine dieser Methoden hält Infrarot- und UV-Strahlung zurück oder schützt die Netzhaut.
Optik und Handys
Fernglas, Teleskop und Kamera ohne Sonnenfilter sind gefährlich, selbst mit aufgesetzter Finsternisbrille. Optik konzentriert das Licht, und ein vor das Auge gehaltener Filter verbrennt schlicht. Der Sonnenfilter gehört immer vorne auf das Objektiv. Für Handyfotos der partiellen Phasen kann man die Finsternisbrille vor die Kamera halten, aber es lohnt sich nicht, sich auf das Foto zu versteifen: In den anderthalb Minuten der Totalität schauen Sie entweder hin oder hantieren mit dem Handy.
Wann die Brille abgenommen werden darf
Genau in den Sekunden, in denen die Sonnenscheibe vollständig verdeckt ist, und nur innerhalb des Pfads der Totalität. Das ist der einzige Moment, in dem die Korona mit bloßem Auge sichtbar ist - und darum geht es bei diesem ganzen Ereignis. Sobald am Rand der erste helle Punkt erscheint (Diamantring-Effekt), muss die Brille sofort wieder aufgesetzt werden. Außerhalb des Pfads der Totalität, bei jeglichen 99 %, wird die Brille nie abgenommen.
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Eine totale Sonnenfinsternis ist nicht einfach «dunkler werden», sondern eine Abfolge ziemlich abrupter Ereignisse. So läuft es ab, während sich das Maximum nähert.
- Eine Stunde vor dem Maximum. Ohne Filter nichts Besonderes. Mit der Brille sieht man schon, wie der Rand der Sonnenscheibe «angeknabbert» wird.
- 20-30 Minuten vorher. Das Licht wirkt seltsam: heller als es bei Sonnenuntergang sein sollte, aber gleichzeitig «flach», mit schärferen Schatten als gewöhnlich. Unter Bäumen erscheinen am Boden Hunderte kleiner Sichelmuster: Jede Lücke im Blattwerk wirkt wie eine Lochkamera.
- 5-10 Minuten vorher. Es kühlt merklich ab, oft frischt Wind auf, und Vögel verstummen oder beginnen verfrüht ihre Abendaktivität.
- Sekunden vor der Totalität. Auf hellen, ebenen Flächen huschen manchmal Schattenbänder vorbei: schnelle, zitternde Linien wie Wasserreflexe am Boden eines Schwimmbeckens. Danach folgen Baily'sche Perlen (helle Punkte des letzten Lichts in Mondtälern) und der Diamantring-Effekt.
- Die Totalität. Um die schwarze Scheibe herum flammt die Korona auf: ein perlweißes Leuchten mit Strahlen. Der Horizont färbt sich rundum in Sonnenuntergangstöne, die hellsten Sterne und Planeten können sichtbar werden. In Spanien dauert das alles weniger als zwei Minuten, auf den Balearen noch kürzer.
- Der Austritt. Zweiter Diamantring-Effekt, und das Licht kehrt sehr schnell zurück. Brille auf, bevor der erste helle Punkt erscheint.
Ein Hinweis zur partiellen Phase: Wer in Madrid, Barcelona oder Sevilla ist, sieht ein schönes, aber grundlegend anderes Schauspiel. Bei 99 % Bedeckung bleibt genug Licht, damit der Tag einfach bewölkt wirkt. Keine Korona, keine Sterne, nicht der Effekt, für den Menschen um die halbe Welt reisen.
Wie oft das passiert und wann es das nächste Mal ist
Sonnenfinsternisse sind nicht selten - selten ist es, im Streifen zu stehen. Auf der Erde ereignen sich jedes Jahr zwei bis fünf Sonnenfinsternisse verschiedener Art, und irgendwo auf dem Planeten findet etwa alle 18 Monate eine totale statt. Aber der Mondschatten zeichnet auf der Oberfläche nur einen schmalen Streifen von wenigen hundert Kilometern Breite, und ein bestimmter Punkt wird davon extrem selten getroffen.
Die Statistik: Im Durchschnitt liegt ein und derselbe Punkt der Erde nur alle 366-375 Jahre im Pfad der Totalität (die Schätzung des belgischen Astronomen Jean Meeus liegt bei rund 375 Jahren; NASA-Berechnungen zu fast zwölftausend Finsternissen über fünftausend Jahre präzisieren die Zahl auf 366). Auf der Nordhalbkugel ist das Intervall etwas kürzer, rund 330 Jahre, auf der Südhalbkugel länger.
Warum der Streifen so schmal ist: Der Mond ist im Durchmesser etwa 400-mal kleiner als die Sonne, steht aber gleichzeitig etwa 400-mal näher. Die scheinbaren Größen beider Scheiben stimmen fast perfekt überein, weshalb der Schatten die Erdoberfläche kaum erreicht und nur einen kleinen Fleck bedeckt.
Spanien hat gerade ungewöhnliches Glück
Das Land erlebt eine seltene Serie von drei aufeinanderfolgenden Sonnenfinsternissen:
- 12. August 2026, total. Norden des Landes und Balearen, bei Sonnenuntergang, Totalität bis zu 1 Minute 48 Sekunden.
- 2. August 2027, total. Süden: fast die gesamte Provinz Cádiz, Teile von Málaga, Süden von Granada und Almería sowie Ceuta und Melilla. Deutlich angenehmere Bedingungen: gegen 10:50 Uhr morgens, Sonne hoch, und in Cádiz dauert die Totalität etwa 2 Minuten 54 Sekunden.
- 26. Januar 2028, ringförmig. Der Streifen durchquert die Halbinsel von Südwest nach Nordost und erfasst fast ganz Andalusien, den Süden von Extremadura, Kastilien-La Mancha, Teile von Madrid, Aragonien, Murcia, die Region Valencia und Katalonien. Der Mond ist dann weiter von der Erde entfernt und verdeckt die Sonne nicht vollständig: Ein helles Ringlicht bleibt, und die Brille wird keine Sekunde abgenommen. Die ringförmige Phase dauert auf der Zentrallinie über sieben Minuten, aber die Sonne wird wieder tief stehen.
Eine ähnliche Serie hatte Spanien schon vor genau einem Jahrhundert, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: die Finsternisse von 1900, 1905 und 1912. Ausgerechnet am 30. August 1905 sah das spanische Festland zum letzten Mal die Totalität. Und nach der Serie 2026-2028 muss man hier bis 2053 auf die nächste totale Finsternis warten.
Wortschatz: die Finsternis auf Englisch und Deutsch
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