Tim Curry gestorben: Rocky Horror und Home Alone 2
Am 25. August 2026 starb in Los Angeles der britische Schauspieler Tim Curry. Er wurde 80. Er spielte Frank-N-Furter, Pennywise und den Concierge in Home Alone 2. Nach dem Schlaganfall 2012 lief er nicht mehr, arbeitete aber weiter mit der Stimme.
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Tim Curry starb am 25. August 2026 in seinem Haus in Toluca Lake, Los Angeles. Er wurde 80 Jahre alt. Seine langjährige Managerin und Freundin Marcia Hurwitz bestätigte den Tod und nannte keine Ursache. Sie schrieb nur: peacefully, at home.
Die Mitternachtsvorstellungen von The Rocky Horror Picture Show liefen trotzdem weiter. Jemand wirft Reis auf die Leinwand, jemand schreit die Zeile vor den Schauspielern, jemand ist «nur mal in ein seltsames Musical» gekommen und kann schon nicht mehr aufhören, den Time Warp mitzusingen. Curry fehlt in diesem Ritual, und der Saal tut so, als stünde die zweite Besetzung noch auf der Bühne: er weiß, wann man aufsteht, wann Toast fliegt und wann der Chor dem Charakter antwortet, den auf dem Film seit einem halben Jahrhundert derselbe Mann spielt.
Man erinnert sich an ihn über mehrere Rollen zugleich. Für die eine Generation bleibt er Dr. Frank-N-Furter, der verrückte Wissenschaftler in Netzstrümpfen, der Don't dream it, be it singt und dem Saal beibringt, die Figur nicht zu träumen, sondern zu sein. Für die andere der Concierge Mr. Hector aus Home Alone 2, der das Plaza mit einer Augenbraue gefährlich macht. Für die dritte Pennywise aus der Miniserie It von 1990, vor dem neuen Make-up. Was diese Stimmen verbindet: man erkennt sie früher als das Gesicht. Die letzten vierzehn Jahre arbeitete Curry genau damit, mit der Stimme, weil er nach dem Schlaganfall 2012 nicht mehr lief.
Don't dream it, be it.The Rocky Horror Picture Show, 1975
Bevor Rocky Horror kam
Timothy James Curry wurde am 19. April 1946 in Grappenhall, Cheshire, geboren, als Sohn eines Militärgeistlichen der Royal Navy und einer Schulsekretärin. Die Familie zog von Hafen zu Hafen, bis Tim zwölf war: der Vater erlitt einen Schlaganfall und starb Wochen später an einer Lungenentzündung, mit 49. Sechzig Jahre später erleidet auch der Sohn einen Schlaganfall, nur mit anderem Ausgang.
Er sang als Knabensopran und wählte die Bühne. 1968 schloss er an der University of Birmingham mit einem kombinierten BA in English und Drama ab, kam ins West-End-Hair und traf dort Richard O'Brien. Fünf Jahre später suchte O'Brien auf der Straße einen Muskelmann, der singen kann. Curry fragte, warum der singen müsse, und bekam das Skript. Später sagte er: wenn das funktioniert, wird das ein Hit. Im Kino flopte der Film zuerst. Zum Kult wurde er nachts, als der Saal die Choreografie auswendig konnte und lauter lebte als der Abspann.
Frank-N-Furter probte er zuerst mit deutschem Akzent und Blondierung. Dann hörte er eine Engländerin fragen, ob das Haus in town or in the country sei, und beschloss, der Doktor müsse klingen wie die Queen. Die Premiere von The Rocky Horror Show war im Juni 1973 am Royal Court, der Film kam 1975. Bis Ende desselben Jahres fuhr Curry die Figur durch London, Los Angeles und Broadway. Der Kult entstand nicht auf dem roten Teppich, sondern in einem Publikum, das die Schritte besser kennt als den Namen der Person neben ihm.
Die Rollen, nach denen man suchte
Hollywood begriff schnell, dass dieses Gesicht und dieses Timbre im selben Bild erschrecken und komisch sein können. In Clue (1985) ist er Wadsworth, der Butler, bei dem jede Anklage nach Hotelservice klingt, der schon kurz vor dem Urteil steht. In Legend packte Ridley Scott die Dunkelheit wirklich auf ihn: das Make-up von Darkness dauerte fünfeinhalb Stunden, abends wusch man es in der Wanne ab. 1990 spielte er Pennywise in It und sprach öffentlich fast nicht darüber, bis er die Rolle 2015 «wonderful part» nannte, wie jemand, der die Arbeit von der Legende ums Make-up trennen kann.
Wer Weihnachten mit Kevin kannte, erkannte ihn in Home Alone 2 (1992). Mr. Hector, Concierge im Plaza, misstraut dem Jungen, bevor die Lüge fertig ist. Das ist Hotel-Englisch: höflich, kalt, mit einer Pause, in der die Anklage schon sitzt. Rob Schneider, der Page neben ihm, schrieb nach dem 25. August, eine Augenbraue von Curry habe mehr gesagt als der ganze Körper mancher Schauspieler. In dieser Szene hörst du nicht «den bösen Hoteltyp». Du hörst Handwerk: Verdacht lässt sich so aussprechen, als würdest du nur eine reservation klären.
Am Broadway drei Tony-Nominierungen. In der Spielzeit 1980-1981 war er Mozart in Amadeus, gegen Ian McKellens Salieri; später kamen My Favorite Year und König Arthur in Spamalot. Mit der Stimme lief eine zweite Karriere: Captain Hook brachte einen Daytime Emmy, Sir Nigel Thornberry trug ganze Staffeln, und nach Ian Abercrombies Tod übernahm Curry Chancellor Palpatine in Star Wars: The Clone Wars. Im Oktober 2025 erschienen die Memoiren Vagabond. Den Titel erklärte er über das Strafrecht des 17. Jahrhunderts, in dem Schauspieler in einer Reihe mit Dieben und Landstreichern standen: für einen Mann, den die Welt wegen des Kostüms kannte, war das ein nüchterner Witz über den Beruf.
Der Schlaganfall 2012
Am 13. Juli 2012, während einer Massage, kam der schwere Schlaganfall, und es brauchte eine Hirnoperation. Danach blieben Rollstuhl, die linke Seite schwach, Lücken im Kurzzeitgedächtnis. Im September 2025 sagte er, er laufe immer noch nicht. Den Frank von 1975, stehend und im Netz, spielte er so nicht noch einmal. Was ging, waren Aufnahmen, Tischlesungen und seltene Auftritte, in denen man das Timbre erkennt, bevor der Rollstuhl ins Bild kommt. Das war kein Nachruf-Trost. Das war der Terminkalender von vierzehn Jahren.
2016 kam er im TV-Remake von Rocky Horror als Criminologist zurück, Erzähler am Bildrand. 2020 sprach er Frank-N-Furter bei einer Tischlesung wieder, sitzend. 2025 lud ihn das Academy Museum zum 50. Jahrestag. Susan Sarandon schrieb nicht über Netzstrümpfe, sondern darüber, dass er selbst im Rollstuhl großzügig zu Fans blieb. Richard O'Brien nannte ihn a good egg and class act. Der Broadway-Account zitierte denselben Satz, den der Saal seit einem halben Jahrhundert schreit: Don't dream it, be it.
Die Welt behielt ihn als lauten, kostümierten Schurken: eine Rolle, die man im Stehen spielt, mit Stimme und Körper zugleich. Nach 2012 kam er in diesem Kostüm nicht mehr an die Rampe und arbeitete am Mikrofon, sitzend. Der Mitternachtssaal kann den Time Warp trotzdem.
Welches Englisch man in diesen Rollen hört
Curry ist keine Motivationskarte auf einer Tasse. Er ist ein Rollenwörterbuch, in dem derselbe Mensch wählt, als wer er klingt. In Rocky Horror hörst du britisches Hochregister, das er selbst mit der Queen verglich, plus einen Refrain, den der Körper speichert, bevor die Grammatik nachkommt. Im Plaza Hotel-Englisch: reservation, suite, checking in, suspicious, so gesagt, als stecke in der Höflichkeit schon die Folge. In It eine Horrorstimme, die führt, statt zu erklären, wovor dir grauen soll. In der Animation eine Diktion, die Staffeln trägt, wenn der Körper nicht mehr im Bild ist.
Im Original schauen lohnt sich wegen Akzent und Pause. Sonst wird Frank-N-Furter ein Untertitel und Hector «der böse Hoteltyp», und genau das verschwindet, wofür Curry ein Leben lang den Akzent gewählt hat. Denselben Kniff - die Rolle hören, nicht die Synchro - haben wir bei Spider-Man: Brand New Day auseinandergenommen. Currys lebendiges Englisch ist die Pause, die Braue und der Vokal, den er einen halben Ton länger hält als «richtig». Das steht in keinem Lehrbuch. Das übst du in einer Stunde mit einem Muttersprachler, wenn die Lehrkraft die Szene anhält und fragt: hörst du die Stelle, an der Höflichkeit schon Drohung ist?
Mitternachtsvorstellungen schließen nicht, weil ein Nachruf da ist. Don't dream it, be it klingt wieder wie eine Filmzeile: der Saal kennt die Choreografie auch ohne den Schauspieler.
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